Global IT Forum

Chairs: Gabriele Viebach, Thomas J. Graebe

Das Diplomatic Council hat die Spitzenpositionen des DC Global IT Forum mit Gabriele Viebach und Thomas J. Graebe besetzt. Die beiden Topmanager teilen sich die Chairship für das weltweite Forum der Informationstechnologie. Sie folgen turnusmäßig auf Thorsten Nowak, der dem Diplomatic Council als Chairman der DC Initiative Safer Internet for Children verbunden bleibt, und Heinz Paul Bonn, der das Forum begründet und dem Diplomatic Council weiterhin als Ehrenmitglied angehört.

Gabriele Viebach, Co-Chair

Gabriele Viebach, Chairwoman DC Global IT Forum, Strategin, Querdenkerin und „Macherin“, ist in mehreren internationalen Softwareunternehmen als Strategieberaterin und/oder im Beirat bzw. Aufsichtsrat tätig. Sie unterstützt neuartige Corporate-Inkubatorkonzepte, erarbeitet und schärft basierend auf der jeweiligen Unternehmensstrategie entsprechende Strukturen und Organisation gefolgt von Go-to-Market-Modellen sowie Geschäftsplanungen mit globaler Ausrichtung im digitalen Zeitalter. Sie gilt als einer der weltweit führenden Köpfe für die Transformation von Märkten und Unternehmen in die digitale Welt.

Thomas J. Graebe, Co-Chair

Thomas J. Graebe, Chairman DC Global IT Forum, ist in Personalunion Geschäftsführer des Bereichs Vertrieb der QualityMinds GmbH, einem auf internationale Qualitätssicherung im Software-Engineering spezialisierten Unternehmen. Er engagiert sich schon lange über das Unternehmertum hinaus für soziale Werte. So gehört er beispielsweise zum Kreis der Unterstützer des DC Partnerbündnisses White IT und der DC Initiative Safer Internet for Children zum Schutz von Kindern überall auf der Welt. Er ist zudem der kluge Kopf hinter der „DC App für Apple & Android“, die es neben anderen Funktionen ermöglicht, Spenden für gemeinnützige Projekte zu sammeln.

Board of Directors

  • Werner Bezikofer, Director DC Global Corporate Database, CEO IIC
  • Klaus-Michael Burger, Director Certification, Vorstand VMAG Valuation & Management Group
  • Andreas Espenschied, Director Software Group, Senior Vice President Software AG
  • Dr. Michael Fuchs, Special Representative CIO, Dr. Fuchs Senior Advisors
  • Hans de Lange, Director Mainframe Migration, Director Business Development Raincode

Eckpfeiler der Tätigkeit des Global IT Forum

Der Mensch im IT-Ökosystem

Das Global IT Forum des Diplomatic Council stellt den Menschen in den Mittelpunkt aller Betrachtungen. Die zunehmende Digitalisierung aller privaten, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und letztlich auch politischen Lebensbereiche hat der Menschheit und damit jedem einzelnen Menschen zu dienen. Daher hat es sich das DC Global IT Forum zur Aufgabe gemacht, den Menschen im „Öko-System IT“ zu positionieren. Dieses Öko-System umfasst weit über die Technologie hinausgehend gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Auswirkungen, die sich aus der allumfassenden Digitalisierung ergeben.

  • IT katapultiert das Grundbedürfnis jedes Menschen nach Kommunikation in eine neue Dimension. Die Überall-Verfügbarkeit durch mobile Endgeräte und soziale Netzwerke stehen beispielhaft für diese Entwicklung.
  • IT stellt das Grundbedürfnis jedes Menschen nach Sicherheit und Vertraulichkeit vor neue Herausforderungen: Individuen und letztlich auch Organisationen können immer weniger sicher sein, dass ihre vertraulichen Informationen geschützt bleiben. Sobald Informationen digitalisiert vorliegen, sind sie leichter kopierbar und manipulierbar als je zuvor.
  • Der Zugang zu IT-Infrastrukturen als Grundlage für Information, Kommunikation und Teilhabe an der globalen Gesellschaft stellt eine zweite Ebene der Grundbedürfnisse dar, vergleichbar mit Bildung und sozialer Bindung. In diesem Sinne geht IT weit über eine bloße Technologie hinaus.
  • IT bildet die Grundlage für neue Geschäftsmodelle, die nach und nach immer mehr Branchen auf den Kopf stellen werden. Diese so genannten disruptiven Geschäftsmodelle haben bereits begonnen, zu fundamentalen Umwälzungen in der Wirtschaft zu führen. Daher ist die derzeitige digitale Revolution in ihrer Dimension vergleichbar mit der industriellen Revolution des 19. Jahrhunderts – mit entsprechenden Auswirkungen auf Wirtschaft und Arbeitswelt.
  • In Folge von IT werden sich rund um den Globus Arbeitswelten umfassender und schneller verändern als je zuvor. Es werden an einer Stelle neue Arbeitsplätze geschaffen und an anderer Stelle vernichtet werden. Das ist nicht neu – aber die Geschwindigkeit und damit die Vielzahl der Umwälzungen, die auf eine Arbeitsgeneration zukommen, sind neu.
  • IT verstärkt und beschleunigt den durch andere Branchen wie Logistik und zivile Luftfahrt längst begonnenen Trend zur Globalisierung. Während andere Branchen Landesgrenzen über­schreiten, kennt IT dank des Internet im Grunde gar keine Landesgrenzen mehr. Das stellt die nationalen Gesetzgeber in allen Ländern vor grundlegende Herausforderungen ebenso wie beispielsweise die nationalen Strafverfolgungsbehörden.
  • Die durch IT beschleunigte Globalisierung lässt teilweise sehr unterschiedliche Kulturen aufeinander prallen. Hierfür gilt es Wege zu finden, um einerseits die Kulturvielfalt zu respektieren und zu erhalten und andererseits die Kulturkreisübergreifende Kommunikation in friedliche und für die jeweiligen Kulturen akzeptable Bahnen zu lenken.
  • IT-basierte Innovationen wie Drohnen und 3D-Drucker werden sukzessive zur grundlegenden Änderungen in den Lieferketten (Supply Chains) im weitesten Sinne des Wortes führen.
  • Angesichts der Schnelllebigkeit der IT-Welt erfahren die Themen Ressourenschonung und Nachhaltigkeit eine besondere Bedeutung – vom rasch wachsenden Berg des Elektroschrotts bis zu den Umweltauswirkungen immer größerer Rechenzentren. Diesem Aspekt fällt im Lichte der Post-2015 Development Agenda der UNO zur Nachhaltigkeit eine besondere Bedeutung für die Arbeit des Diplomatic Council als UNO-registrierte Organisation.
  • Software ist die Intelligenz der Digitalisierung, letztlich die Nachahmung und der Versuch der Optimierung und Potenzierung menschlichen Denkens. In absehbarer Zukunft wird die Software in immer mehr Lebens- und Wirtschaftsbereichen eine Substitutionsfunktion für menschliches Denken übernehmen. Damit werden gesellschaftliche und ethische Fragestellungen aufgeworfen, die es zu beantworten gilt.
  • Durch IT-basierte Infrastrukturen vom Internet bis zu sozialen Netzen hat jeder einzelne Mensch heutzutage einfacher, schneller und umfassender als je zuvor die Möglichkeit, sich und seine Meinung mitzuteilen und andere Menschen für sich zu gewinnen. Daraus erwächst eine grenzübergreifende Demokratisierung der Menschheit, auf die sich Staaten und Unternehmen gleichermaßen einstellen müssen. Schon heute findet die Durchsetzung technischer Innovationen stärker als je zuvor „buttom up“ statt. Dieser Trend wird vor politischen und gesellschaftlichen Innovationen nicht Halt machen.
  • Die schier unendliche Vielfalt der Angebote, die für jeden einzelnen mit einem Mausklick erreichbar sind, schafft einen beinahe „idealen Markt“ im Schumpeterschen Sinne – mit der Folge, dass die Loyalität des einzelnen gegenüber Marken und Unternehmen, aber auch gegenüber politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Institutionen im Abnehmen begriffen ist.
  • IT bringt völlig neue Kriminalitätsformen hervor, welche die Gesellschaft zusehends belasten – von Phishing-Angriffen auf Endverbraucher über Online-Wirtschaftsspionage bis zu terroristischen und militärischen Cyberangriffen.
  • Die nicht mehr einzudämmende Informationsflut führt zusehends zu einer Vermischung von Information und Wissen. Daher sind zunehmend Verfahren gefragt, um die Qualität und den Wahrheitsgehalt von Informationen zu sichern – erst dadurch entsteht eine Wissensgesellschaft.
  • Bio-IT, die Abbildung von IT-Funktionalitäten in Biomasse und das „Eindringen“ von IT in den menschlichen Körper wird in den nächsten Dekaden zahlreiche ethische und gesellschaftliche Antworten erfordern.

Das Global IT Forum des Diplomatic Council versteht die genannten Entwicklungen als Chance, mit Hilfe des „Öko-Systems IT“ den UNO-Gedanken der internationalen Völkerverständigung voran­zutreiben. Ziel ist es, dass möglichst alle Länder und damit möglichst alle Menschen an dem durch die IT ausgelösten Fortschritten partizipieren können. Diese Fokussierung auf die Chancen darf allerdings den Blick auf die damit verbundenen Herausforderungen, die es zu überwinden gilt, nicht verstellen.

 

Global Software Agenda

Diplomatic Council fordert “Global Software Agenda“

Director Global Software Group im Diplomatic Council: Andreas Espenschied

Das Diplomatic Council (DC) versteht Software weit über eine Technologie hinausgehend als einen Motor der Veränderung der Lebensgrundlagen der Menschheit. Die Diplomaten der im Diplomatic Council organisierten Staaten sprechen von einer schleichenden fundamentalen Evolution mit heute noch schwer übersehbaren Folgen für die Zukunft der gesamten Zivilisation. Die Commission on Science and Technology der Vereinten Nationen hat Schlüsselthemen der Software wie Internet of Things und Big Data in ihre Agenda bis 2030 aufgenommen.

Vor diesem Hintergrund drängt das Diplomatic Council auf eine verstärkte internationale Debatte über die Digitalisierung der Zivilisation und ihre Folgen und versteht sich in diesem Prozess als neutraler Moderator. Bislang ist nach Einschätzung des globalen Think Tank viel zu wenig deutlich, dass die Digitalisierung ein großes Potenzial, nicht nur für die Wirtschaft, sondern auch für den öffentlichen Sektor besitzt. Regierungen, Privatsektor und Zivilgesellschaft sind gleichermaßen gefordert, in ihren jeweiligen Rollen gemeinsame Prinzipien, Normen, Regeln und Vorgehensweisen zur Entscheidungsfindung zu erarbeiten, die die Weiterentwicklung und die Nutzung von Software bestimmen.

Die Global Software Group im Diplomatic Council unter dem Direktorat von Andreas Espenschied (Software AG) strebt einen fairen Ausgleich der Interessen an, der möglichst gleichermaßen allen Ländern sowie der Zivilgesellschaft, der akademischen Welt und dem privatwirtschaftlichen Sektor rund um den Globus gerecht wird. Hierbei legt das DC gemäß seiner Statuten die Gleich-berechtigung aller in der Vollversammlung der Vereinten Nationen vertretenen Staaten zugrunde.

Digitale Revolution gewinnt an Fahrt

Die Bedeutung zunächst von Werkzeugen und später von Maschinen für die Entwicklung der Menschheit ist unbestritten. Die industrielle Revolution mit ihren Pros und Cons ist hinreichend analysiert und diskutiert. Damals ersetzten Maschinen die menschliche Muskelkraft und machten so die industrielle Massenproduktion erst möglich. Schon seit einigen Jahrzehnten bahnt sich nunmehr die sog. digitale Revolution an, die Jahr für Jahr an Fahrt gewinnt.

Software berührt die Intelligenz

Das hängt damit zusammen, das Software eine zutiefst menschliche Eigenschaft berührt: die Intelligenz. Am 13. Juli 1956 fand die erste Konferenz zum Thema „artificial intelligence“ („Künstliche Intelligenz“) statt, organisiert von den Mathematikern John McCarthy, Marvin Minsky, Nathan Rochester und Claude Shannon am Dartmouth Collage. Basierend auf den Arbeiten von Alan Turing, unter anderem dem Aufsatz „Computing machinery and intelligence“, formulierten Allen Newell und Herbert A. Simon die Physical Symbol System Hypothesis. Sie besagt, dass (menschliches) Denken Informationsverarbeitung, und Informationsverarbeitung ein Rechen-vorgang, eine Manipulation von Symbolen ist. Auf das Gehirn als solches komme es beim Denken nicht an: „Intelligence is mind implemented by any patternable kind of matter.“ Mit anderen Worten: Intelligenz ist unabhängig von der Trägersubstanz. Genau dies – Denkvermögen losgelöst vom Trägermedium – ist Software.

Dieser Gedanke bildet auch die Grundlage für das vom Roboterspezialisten Hans Moravec in seinem Buch „Mind Children“ („Kinder des Geistes“) beschriebene Szenario der Evolution des postbiologischen Lebens: Ein Roboter überträgt das im menschlichen Gehirn gespeicherte Wissen in einen Computer, sodass die Biomasse des Gehirns überflüssig wird und ein posthumanes Zeitalter beginnt, in dem das gespeicherte Wissen beliebig lange zugreifbar bleibt.

Schon der bekannte Aufsatz „Der Computer im 21. Jahrhundert“ von Mark Weisser aus dem Jahr 1991, der sich damals wie Science Fiction las, beschreibt Gegenstände und Szenarien, die für uns heute mehr oder weniger zum Alltag gehören: Tablets, Smart Home und – erstmals – das Internet der Dinge.

Es wird gerne behauptet, dass Künstliche Intelligenz bislang keinen wirklichen Durchbruch erzielen konnte. Dabei wird allerdings häufig übersehen, dass zahlreiche Erkenntnisse der Künstlichen Intelligenz Einzug in andere Fachgebiete gefunden haben, sobald sie eine Praxisrelevanz erreicht haben. Dazu gehören beispielsweise Suchmaschinen, Information Retrieval, Big Data, Expertensysteme, maschinelle Übersetzungen, Data Mining und Text Mining, Sprach-, Zeichen und Handschriftenerkennung, optische Überwachungssysteme und Börsenhochgeschwindigkeits-Handelssysteme („Algo-Trading)“ um nur einige Beispiele zu nennen.

Wettbewerb zum menschlichen Gehirn

Das gesammelte Wissen der Welt in Wikipedia wird bestenfalls als Speichererweiterung des Gehirns empfunden. Computeralgorithmen, also Software, die die Hochgeschwindigkeitsbörsen rund um den Globus steuern, werden als um ein Vielfaches schneller als menschliches Denken akzeptiert, aber noch nicht zwangsläufig als „besser“.

Es gibt indes bereits Gebiete, auf denen unbestritten ist, dass Software besser „denken“ kann als der klügste Mensch, ohne sich der Frage nach der exakten Definition von „Denken“ zu stellen. Interessanterweise gehört hierzu Schach, das wohl komplexeste Brettspiel der Welt. Die Zahl der möglichen Stellungen wird auf 2,28 mal 10 hoch 46 geschätzt. Bereits nach zwei Zügen können 72.084 verschiedene Stellungen entstehen. Die Spieltheoretiker sprechen von einem endlichen Nullsummenspiel mit perfekter Information. Das bedeutet, dass man theoretisch ermitteln könnte, ob bei beiderseits perfektem Spiel Weiß oder Schwarz gewinnt oder die Partie remis enden muss. Deep Blue gelang es als erstem Computer der Welt 1996, einen amtierenden Schachweltmeister, Garri Kasparow, in einer Partie mit regulären Zeitkontrollen zu schlagen. Heute tritt kein Schachweltmeister mehr gegen einen Computer an, weil er gegen die Software keinerlei Chancen mehr hätte: Die Software gewinnt immer!

Genau diesen Schritt hat die Software soeben beim Pokern genommen: Selbst der beste Pokerspieler hat keine Chancen mehr gegen das Programm, das eine Gruppe um Mike Bowling an der kanadischen Universität Alberta für „Heads-up Limit Texas Hold’em“ entwickelt hat. Diese Variante zeichnet sich durch immerhin 3,16 mal 10 hoch 17 mögliche Spielsituationen aus. Pokern ist insofern von besonderem Interesse, weil im Unterschied zum Schachspiel mit perfekter Informationslage (jeder Spieler sieht jederzeit alle Figuren) beim Pokern bekanntlich das Kartenglück eine Rolle spielt und zudem jeder Spieler über sog. private Informationen verfügt (imperfekte Informationslage). Damit kommt Pokern dem realen Leben deutlich näher als Schach: In einer Situation mit mehreren Unwägbarkeiten trifft die Software im Durchschnitt die besseren Entscheidungen als ein menschlicher Experte. Die Software „denkt“ dabei nicht im menschlichen Sinne, aber sie kann viel besser vorausberechnen, welche Schritte was bewirken und wird damit auf dem jeweiligen Gebiet im Ergebnis dem menschlichen Gehirn überlegen.

Was kommt nach Schach und Poker?

Nur: Wenn das beim Pokern zutrifft, gilt es womöglich auch in anderen – weniger spielerischen – Lebensbereichen? Diese Frage müssen sich Wirtschaft und Gesellschaft zusehends stellen. Noch wird Software in erster Linie als „Hilfskraft“ für den menschlichen Geist empfunden, der zwar schneller mit größeren Datenmengen umgehen kann, der das menschliche Denken unterstützt, aber eben nicht ersetzt. Aber wenn die Software beim Schachspielen und Pokern überlegen ist, könnte sie diese Überlegenheit in Zukunft nicht auch sagen wir beim Führen eines Unternehmens oder beim Regieren eines Staates aufweisen? Ist eine Gesetzgebung undenkbar, die zwingend vorschreibt, dass im Vorstand eines börsennotierten Unternehmens neben menschlichen Entscheidungsträgern auch eine „Software-Persönlichkeit“ dazu gehören muss? Spricht es nicht für eine Regierung, wenn sie irgendwann in der Zukunft um einen „Software-Minister“ bereichert wird?

Die Prognose des Silicon Valley-Investmentbanker Marc Andreessen, Entwickler eines der ersten weltweit verbreiteten Internet-Browser (Mosaic), „Software frisst die Welt“, könnte sich als treffender erweisen, als sie zunächst gemeint war. Der Mitgründer des Risikokapitalgebers Andreessen Horrowitz hatte schon 2011 die These formuliert, dass Software die etablierten Branchen durch neue Geschäftsmodelle fundamental erschüttert bzw. ersetzt. Aber macht dieser Siegeszug der Software wirklich an den Grenzen der Wirtschaft halt?

Das autonome Auto

Natürlich ist diese Entwicklung noch einige Zeit von uns entfernt, aber wer langfristiges Denken zulässt, darf diese Fragestellungen auch nicht in Bausch und Bogen ablehnen. Deutlich früher werden andere Lebensbereiche von der Allgegenwart der Software umgekrempelt werden. Eines der besten Beispiele, das nahezu alle oder jedenfalls sehr viele Menschen berührt, dürfte das „autonome Landfahrzeug“ sein, umgangssprachlich „selbstfahrendes Automobil“ oder „Roboterauto“ genannt. Über verschiedene Automatisierungsstufen wird ab 2025 (mit Fahrer) und ab 2030 (ohne Fahrer) eine Vollautomatisierung von Neuwagen angestrebt. Damit einhergehend werden völlig neue Einsatzszenarien und Geschäftsmodelle entstehen.

Dem Menschen ebenbürtige Intelligenz

Um ein Maß zu haben, wann eine Maschine eine dem Menschen gleichwertige Intelligenz simuliert, wurde von Alan Turing der nach ihm benannte Turing-Test vorgeschlagen. Dabei stellt ein Mensch per Terminal beliebige Fragen an einen anderen Menschen bzw. ein Computer-programm, ohne dabei zu wissen, wer jeweils antwortet. Der Fragesteller muss danach entscheiden, ob es sich beim Interviewpartner um eine Maschine oder einen Menschen handelte. Ist die Maschine nicht von dem Menschen zu unterscheiden, so ist laut Turing die Maschine intelligent. Bis zum Juni 2014 konnte keine Software den Turing-Test zweifelsfrei bestehen. Am 8. Juni 2014 stuften im Rahmen einer Veranstaltung der Royal Society in London erstmals Prüfer die russische Software „Eugene Goostman“ als einen Menschen ein; sie hielten die Software tatsächlich für einen 13jährigen Jungen aus der Ukraine. Schon im Mai 2014 hatte Google sein Roboterauto erstmals einer Gruppe von Journalisten vorgestellt, die im Vergleich zwischen menschlichem Fahrer und selbstfahrendem System keinen Unterschied im Fahrverhalten mehr feststellen konnten.

Science-Fiction-Autoren, Wissenschaftler an den Top-Universitäten und die Forschungslabore von Google & Co. sind damit befasst, sich über diese fundamentalen Auswirkungen von Software Gedanken zu machen bzw. diese Entwicklungen aktiv voranzutreiben. Einzelne Unternehmen und zum Teil ganze Branchen, die von den ersten Auswirkungen unmittelbar betroffen sind, bekommen zu spüren, dass Software – häufig als „Digitalisierung“ umschrieben – ihre Geschäftsmodelle auf den Kopf stellt. Aber nur wenige Regierungen sind auf die auf uns zu kommenden Umwälzungen durch Software auch nur annähernd vorbereitet. Schon ein simpler Wandel des Geschäftsmodells wie beispielsweise Uber das Taxigewerbe aushebelt, stellt die Gesetzgeber aus aller Welt vor Herausforderungen, die dann in der Einfachstentscheidung „zulassen oder verbieten“ gipfeln. Man kann erahnen, in welche gesetzgeberischen Entscheidungsnöte autonome Automobile die Regierungen rund um den Erdball stürzen werden.

Vor allem die Geschwindigkeit der Digitalisierung, also der Ausbreitung von Software, wird häufig unterschätzt. Das 2008 gegründete Unternehmen Airbnb, das eine Software zur Zimmer-vermittlung über das Internet betreibt, wird heute mit 10 Mrd Dollar bewertet, etwas mehr als die 1957 gegründete Hyatt-Hotelkette, die 735 Luxushotels in 44 Ländern betreibt. Oder das soziale Netzwerk Facebook: Mit über einer Milliarde „Bürgern“ wäre es in der realen Welt die drittgrößte Volkswirtschaft – und damit u.a. eine gewaltige Wirtschaftsmacht. Entstanden ist diese „Weltmacht“ binnen zehn Jahren.

Wachsendes Datenvolumen

Mit der Ausbreitung der Software einhergehend ist das weltweit unaufhörlich wachsende Datenvolumen. Daten gelten als der Rohstoff, der die digitale Revolution antreibt. Prognosen zufolge soll das weltweite Datenvolumen bis 2020 um das Zehnfache anwachsen – von derzeit 4,4 Billionen Gigabyte auf 44 Billionen Gigabyte. Angetrieben wird diese Expansion durch die kontinuierlich steigende Nutzung von Internet, Smartphones sowie sozialen Netzwerken und vor allem durch das Internet der Dinge. Zwei Drittel der Daten werden von Verbrauchern und Angestellten erzeugt oder gespeichert. Unternehmen haften jedoch für 85 Prozent dieser Daten oder sind anderweitig für sie verantwortlich.

Eine der großen Fragen dabei ist, wem diese Daten tatsächlich gehören. In einer Welt, in der der Bürger ständig und überall Daten erzeugt, stellt sich die Frage, ob diese Daten ihm gehören, dem Staat oder den Unternehmen, deren Dienste er in Anspruch nimmt.

Daher fordert Martin Schulz, der Präsident des Europäischen Parlaments, eine „Bill of Digital Rights“, eine Charta der digitalen Grundrechte. Eine solche Grundrechte-Charta hatten schon im Dezember 2013 in einem gemeinsamen Appell an die Vereinten Nationen 500 Schriftsteller aus aller Welt gefordert. Sie protestierten damit gegen Massenüberwachung durch Regierungen und Unternehmen. Die Schriftsteller schrieben, eine tragende Säule der Demokratie sei die Unverletzlichkeit des Individuums, dessen Würde über seine Körpergrenze hinausgehe – und speziell in die digitale Welt hineinreiche.

Antworten auf die Fragen der nächsten Dekaden

In diesem Sinne versteht sich die Global Software Group des Diplomatic Council als ein globaler Think Tank, der Führungskräfte und Experten aus Regierungen, Privatwirtschaft und Zivilgesellschaften zusammenführt, um weltweit gültige Antworten auf drängende Fragen zu geben, die in den nächsten Dekaden auf uns zukommen werden. In dem Maße, in dem Software nicht nur Hilfsfunktionen für das menschliche Denken erfüllt, sondern selbst eine quasi-menschliche Denkfunktion übernimmt oder zu mindestens simuliert (also nicht den Schachspieler unterstützt, sondern selbst Schach spielt), türmen sich elementare ethische, soziale und natürlich auch wirtschaftliche Fragenkomplexe auf, auf die die Menschheit Antworten finden muss.

Im Angesicht von Internet, Cloud und „Internet der Dinge“ ist es dabei wenig sinnvoll, sich auf die nationalstaatlichen Gesetzgebungen zu fokussieren, hier sind globale Antworten vonnöten. Daher fordert der Rat der Botschafter, der das Diplomatic Council führt, die Erarbeitung einer „Global Software Agenda“ unter dem Mandat der Vereinten Nationen, um die Grundordnung des menschlichen Zusammenlebens in einer fundamental veränderten Welt der nicht allzu fernen Zukunft zu beschreiben. Diese Agenda darf nicht einzelnen Staaten oder Unternehmen überlassen werden, sondern muss in einem weltweiten transparenten Gedankenaustausch und einer nachvollziehbaren Entscheidungsfindung zum Wohle aller Völker erstellt werden.

Initiative Mainframe Migration: Investitionen für die Zukunft sichern

Das Global IT Forum des Diplomatic Council hat eine Initiative gestartet, um die milliarden-schweren Investitionen der Wirtschaft und der öffentlichen Hand in Computersoftware langfristig zu sichern. Leiter der Initiative ist Hans de Lange, Director Mainframe Transition im IT-Forum des Diplomatic Council

Angesichts des hohen Innovationstempos mit immer neuen Programmiersprachen, Rechnerplattformen und neuen Applikationen wird gerne vergessen, dass 70 Prozent aller für die Volkswirtschaft und das öffentliche Leben wichtigen An-wendungen heute noch in Altsprachen wie Cobol, PL/1 oder Assembler laufen und auf Mainframes arbeiten. Wenn die „Oldie-Software“ stillsteht, kommt die Wirtschaft in allen Industrienationen zum Erliegen, wird davor gewarnt, die vermeintlichen Altprogramme zu vernachlässigen. Beispielhaft sei verwiesen auf die IT-Pannen bei Flughäfen und Airlines alle paar Jahre, bei denen etwa durch den Ausfall der Mainframe-Buchungssoftware oftmals stundenlang der gesamte Flugverkehr lahmgelegt war. Banken, Versicherungen, Fertigungsbetriebe und viele weitere Branchen haben ebenfalls für ihre Kernfunktionen noch Großrechner im Einsatz.

2 Billionen Euro Mainframe-Software

Um künftige Ausfälle mit betriebs- und unter Umständen volkswirtschaftlich schlimmen Folgen zu verhindern, will die DC Initiative Mainframe Transition Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen helfen, die über 2 Billionen Euro zu retten, die in den vergangenen Jahrzehnten in Bestandsapplikationen vor allem in Cobol investiert wurden. Täglich werden etwa 30 Milliarden Transaktionen über Cobol-Anwendungen abgewickelt, die auf rund 45.000 Großrechnern laufen. Für die Wartung der Oldie-Software werden allein in Deutschland rund 10 Mrd Euro jährlich aufgewendet.

Neue Produkte und Dienstleistungen, Änderungen in den Geschäftsprozessen, steigender Wettbewerbsdruck, neue gesetzliche Anforderungen, verändertes Kundenverhalten, Firmenzusammenschlüsse und viele weitere Einflüsse zwingen die Unternehmen zur ständigen Anpassung der Bestandssoftware. Diese Änderungen werden jedoch immer schwieriger und kostenaufwändiger, weil die oftmals über 25 Jahre alten Programme sehr komplex und nach heutigen Maßstäben ineffizient und unübersichtlich sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die meisten der damaligen Programmierer längst in den Ruhestand getreten sind oder kurz vor dem Rentenalter stehen.

240 Milliarden Zeilen Cobol-Code

Die Umstellung allein der etwa 240 Milliarden Cobol-Programmierzeilen – ohne PL/1 und Assembler – auf eine moderne und damit wartungsfreundlichere Programmiersprache würde in Summe rund 6 Billionen Euro kosten und damit den Kostenrahmen der Volkswirtschaften und der öffentlichen Haushalte sprengen. Hinzu kommt, dass die Überführung Jahrzehnte benötigen würde und die heute modernen Umgebungen bis dahin ebenfalls schon wieder veraltet wären.

Es ist fallweise zu prüfen, welche Bestandsanwendungen weiterhin gepflegt, einem Outsourcing-Dienstleister übergeben, in eine moderne Umgebung migriert oder durch ein neues Programm völlig ersetzt werden.

Grundsätze für die Transition

Als Schlüsselmaßnahme zur Zukunftssicherung der Altsoftware stellt die Initiative über DC Mitgliedsfirmen Programme zur Verfügung , mit denen sich die Mainframe-Anwendungen ohne manuelle Eingriffe in den Programmcode auf eine moderne Serverumgebung übertragen lassen. Es bleibt dieselbe Anwendung, sie läuft nur auf einer zeitgemäßen Umgebung. Hierzu nennt die Initiative zwei „unumstößliche Grundsätze“:

1. Es genügt nicht etwa, auf einer zeitgemäßen Serverplattform einen Mainframe zu emulieren, weil man damit die durch den Großrechner gegebenen Einschränkungen lediglich auf eine moderne Hardware überträgt. Vielmehr müssen die Mainframe-Anwendungen durch einen Compiler laufen, so dass nativer (!) Servercode bspw. für .Net generiert wird.

2. Der Compiler muss in der Lage sein, die Software neu zu kompilieren, ohne dass auch nur eine einzige Programmzeile geändert werden muss. Selbst sog. CICS und DB2 Call sollten transparent übersetzt werden. Jede noch so kleine Änderung kann im ungünstigen Fall katastrophale Folgen bis hin zum Stillstand nach sich ziehen.

Wartungskosten lassen sich um 40 Prozent senken

Allein durch den Einsatz moderner Wartungstools lässt sich der Pflegeaufwand für die Oldie-Software um etwa 40 Prozent reduzieren, was einer jährlichen Kostenersparnis von 4 Mrd Euro für die deutsche Volkswirtschaft entspräche, haben die „Denkfabrik“ errechnet.

Zudem setzt die Reduzierung der Altlasten Entwicklungsressourcen für neue Applikationen frei. Derzeit entfallen in den Unternehmen im Durchschnitt nur 20 Prozent der Softwarekosten auf neue Entwicklungen; der Löwenanteil von 80 Prozent geht für Anpassungen, Weiterentwicklungen und Wartung drauf.  Die Anpassung dieses Verhältnisses auf 50:50 nennt die Initiative ein Etappenziel.

Global IT Forum integriert Software-Initiative

Die Aktivitäten der Global IT Forum im Diplomatic Council und der Software-Initiative Deutschland (SID) werden im Diplomatic Council als weltweiter Träger gebündelt. Der globale Think Tank wird den deutschen Softwareverband in sein Global IT Forum integrieren. Die über 100 Mitglieder der Software-Initiative werden als Mitglieder in das Global IT Forum des Diplomatic Council aufgenommen.

„Wir freuen uns sehr, dass wir unter dem Dach des Diplomatic Council eine neue Heimat gefunden haben“, sagt Dieter Böttcher, Vorstandsvorsitzender der Software-Initiative Deutschland. Er erklärt den Schritt: „Der Softwaremarkt ist internationaler als je zuvor, so dass eine rein nationale Initiative wie die SID an ihre Grenzen stößt. Mit dem Diplomatic Council als neuem Verbandsträger haben wir weltweit den für das Softwaregeschäft unerlässlichen internationalen Anschluss gefunden.“
Thorsten Nowak, Chairman des Global IT Forum im Diplomatic Council, freut sich über die Verstärkung: „Die Mitglieder der Software-Initiative Deutschland sind uns herzlich willkommen. Wir empfinden diesen Schritt als eine wirkliche Bereicherung unseres weltweiten Teams.“ Die Software-Initiative Deutschland wurde vor über zehn Jahren als deutscher Softwareverband gegründet, um auf die wachsende Bedeutung von Software in immer mehr beruflichen, unternehmerischen und privaten Lebensbereichen aufmerksam zu machen. Auf etwa 2 Billionen Euro werden die Investitionen der Verbraucher, der Wirtschaft und der öffentlichen Hand in Computersoftware geschätzt. Ihre Rolle als Diskussionsforum der Fachleute und als Aufklärungsinstanz für Firmen und Verbraucher will die SID in der neuen Konstellation im Rahmen des Global IT Forum des Diplomatic Council fortsetzen.