Thought Leadership

Image
80 Jahre UNO
Die Krise der UNO

Die Vereinten Nationen stecken in einer historischen Finanz- und Glaubwürdigkeitskrise.

Als der ghanaische Diplomat Kofi Annan, der bis heute als einer der besten UNO-Generalsekretäre gilt, 1997 sein Amt antrat, setze er sich mit ganzer Kraft für eine grundlegende Reform der Organisation ein. Am 21. März 2005 stellte er sein 63-seitiges Reformdokument „In größerer Freiheit: Auf dem Weg zu Entwicklung, Sicherheit und Menschenrechte für alle“ vor. Es war eine beeindruckende Agenda – aber in nennenswertem Umfang umgesetzt wurde sie bis heute nicht. Obwohl schon damals die Finanznöte groß waren und allein daher eine Reform – vor allem ein massiver Abbau der Bürokratie (die UNO hat heute über 120.000 Beschäftigte!) – überfällig war. Die im März 2025 vorgestellte UN80-Initiative, mit der Antonio Guterres die UNO zum 80. Gründungsjubiläum „schlanker, effizienter und handlungsfähiger“ machen wollte (u.a. mittel Stellenabbau um 19 %), ist weitgehend verpufft. Doch die Geberländer, nicht nur die USA, sondern bspw. auch Deutschland, knüpfen seit über 20 Jahren die weitere Finanzierung immer enger an eine Reform: Bürokratie runter, Effizienz rauf. Doch statt abzunehmen ist die Organisation in dieser Zeit um 65 % gewachsen – über 50.000 Beschäftigte mehr: Gehälter, Zuschläge, Projekt- und Reisekosten… Die heutige Finanzkrise war also sehr lange vorhersehbar und man muss wohl sagen, sie ist zu einem großen Teil hausgemacht.

Hinzu kommt eine Glaubwürdigkeitskrise – ebenfalls nicht neu, aber aktueller als je zuvor durch die Nominierung des Irans für das Committee for Programme and Coordination des Wirtschafts- und Sozialrats der UNO (ECOSOC). Obgleich Gremien und Sonderberichterstatter der Vereinten Nationen dem Iran seit Jahren immer wieder schwerste Menschenrechtsverletzungen vorwerfen. Die Sorge zivilgesellschaftlicher Organisationen mit ECOSOC-Status, dass dadurch NGOs mit einem zweifelhaften Verständnis für Menschenrechte die Gremien unterwandern, scheint mehr als berechtigt. Man mag sich an das Buch „Im Namen der Opfer“ von Carla Del Ponte erinnern; die ehemalige UNO-Chefanklägerin kritisiert darin nach ihrem spektakulären Rücktritt 2017 die politische Handlungsunfähigkeit und die strukturellen Mängel der Organisation aufs schärfste.

Der Grundgedanke der Vereinten Nationen ist heute so grandios wie zu ihrer Gründung: Frieden sichern, Konflikte durch Dialog lösen und die Würde aller Menschen weltweit schützen. Und die Hilfe, die sie für Millionen von Menschen in Not leistet, ist unbezahlbar. Aber ob man es mag oder nicht – am Ende muss die Weltgemeinschaft doch dafür bezahlen. Und dafür müssen die seit Jahrzehnten verschleppten Reformen endlich in Angriff genommen werden. Vom amtierenden Generalsekretär ist das nicht mehr zu erwarten, aber hoffentlich von seinem Nachfolger, dessen Amtszeit am 1. Januar 2027 beginnt.